Seliger Roman Archutowski
Priester · 1882-1943
Priester und Märtyrer, Regens des Priesterseminars in Warschau, Häftling in Majdanek
Der selige Roman Archutowski war Priester des Erzbistums Warschau, Erzieher der Jugend und in den Jahren der deutschen Besatzung Regens des Warschauer Priesterseminars. Er starb am Palmsonntag 1943 im Konzentrationslager Majdanek. Er gehört zu den 108 polnischen Märtyrern des Zweiten Weltkriegs. Das Römische Martyrologium gedenkt seiner am 18. April, seinem Todestag.
Er wurde am 5. August 1882 in Karolin bei Serock in einer wohlhabenden Gutsbesitzerfamilie geboren. Sein älterer Bruder Józef wurde ebenfalls Priester und später Professor für Bibelwissenschaft an der Jagiellonen-Universität. Roman besuchte das Gymnasium in Pułtusk. 1900 trat er in das Priesterseminar in Warschau ein, und 1904 empfing er die Priesterweihe. Nach kurzer Tätigkeit in einer Pfarrei studierte er Theologie an der Geistlichen Akademie in Sankt Petersburg.
Ab 1910 war er in Warschau Präfekt, das heißt Religionslehrer an höheren Schulen, unter anderem am Knabengymnasium St. Stanislaus Kostka. Mitte der Zwanzigerjahre wurde er Direktor dieser Schule und leitete sie mehr als ein Jahrzehnt lang. Er verfasste ein Schulbuch der Kirchengeschichte, das in Polen viele Auflagen erlebte und in den Kriegsjahren und kurz danach auch im Exil gedruckt wurde. Außerdem war er einer der Autoren der Podręczna encyklopedia kościelna, eines kirchlichen Handlexikons.
1940 wurde er Regens des Metropolitan-Priesterseminars in Warschau und leitete es unter der Besatzung. Die zur Seligsprechung veröffentlichte Lebensbeschreibung nennt ihn einen außergewöhnlichen Erzieher, einen Mann von großer Autorität und Rechtschaffenheit. 1942 verhaftete ihn die Gestapo zweimal und hielt ihn im Pawiak-Gefängnis fest, wo er gefoltert wurde.
Im März 1943 wurde er in das Konzentrationslager Majdanek in Lublin gebracht. Dort wurde er zunächst zur Gartenarbeit eingeteilt. Als eine Fleckfieberepidemie ausbrach, befahl man ihm, Leichen zum Krematorium zu tragen und zu fahren. Bald erkrankte er selbst und kam ins Lagerkrankenhaus, wo er den Kranken die Beichte abnahm.
Er starb am 18. April 1943, von Hunger und Krankheit aufgezehrt. Sein Leichnam wurde im Krematorium verbrannt. Der Lebensbeschreibung zur Seligsprechung zufolge zerbrachen ihn die Leiden nicht, und er suchte sie mit dem Opfer Christi zu vereinen.
Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 13. Juni 1999 in Warschau in der Gruppe der 108 Märtyrer des Zweiten Weltkriegs selig. In Polen wird ihr gemeinsamer Gedenktag am 12. Juni begangen. Ein Lyzeum im Warschauer Stadtteil Bielany trägt den Namen des seligen Roman. Von dem Märtyrer sind weder sterbliche Überreste noch persönliche Gegenstände erhalten, deshalb wurde im Juni 2026 ein Dokument mit seiner Unterschrift als Reliquie in die Seminarkirche in Warschau gebracht.