Seliger Niels Stensen

Bischof · 1638-1686

Bischof, Anatom und Geologe, Apostolischer Vikar der Nordischen Missionen

Der selige Niels Stensen, auch unter seinem lateinischen Namen Nicolaus Steno bekannt, war ein dänischer Anatom und Geologe, einer der bedeutendsten Naturforscher des 17. Jahrhunderts. Im Luthertum aufgewachsen, nahm er den katholischen Glauben an, wurde Priester und dann Bischof in der Mission in Nordeuropa. Die Kirche gedenkt seiner am 5. Dezember.

Er wurde am 11. Januar 1638 (am 1. Januar nach dem julianischen Kalender) in Kopenhagen in einer frommen lutherischen Familie geboren. Sein Vater war Goldschmied. Niels studierte Medizin in Kopenhagen, Amsterdam und Leiden. Noch als Student entdeckte er den Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse, der bis heute Stensen-Gang heißt. Er wies auch nach, dass das Herz ein Muskel ist.

Nach einem Aufenthalt in Paris ließ er sich 1666 in Florenz unter dem Schutz des Großherzogs der Toskana Ferdinand II. nieder. Dort erkannte er in den Fossilien die Überreste früherer Lebewesen, beschrieb die Entstehung der Gesteinsschichten und untersuchte den Bau der Kristalle. Die Abhandlung Prodromus von 1669 gehört zu den Werken, mit denen Geologie, Paläontologie und Kristallographie beginnen.

In Florenz reifte auch sein Glaube. Die Fronleichnamsprozession in Livorno erschütterte ihn: Wenn die Hostie der wahre Leib Christi ist, fragte er sich, warum erweist dann nicht auch er ihm die Ehre? Die letzten Zweifel wichen an Allerseelen 1667, und am 7. November wurde er in die katholische Kirche aufgenommen. Von 1672 bis 1674 wirkte er als königlicher Anatom in Kopenhagen, und 1675 wurde er in Florenz zum Priester geweiht.

1677 ernannte ihn Papst Innozenz XI. zum Apostolischen Vikar der Nordischen Missionen. Die Bischofsweihe spendete ihm in Rom Kardinal Gregorio Barbarigo, der heute als Heiliger verehrt wird. Als Titularbischof von Titiopolis ließ er sich in Hannover am Hof des katholischen Herzogs Johann Friedrich nieder. Von 1680 bis 1683 war er Weihbischof in Münster, das er aus Protest gegen die Simonie bei der Wahl des neuen Bischofs verließ. Nach zwei Jahren in Hamburg zog er Ende 1685 nach Schwerin, wo er als einfacher Seelsorger einer kleinen Schar von Katholiken diente.

Er lebte arm und streng, und was er besaß, gab er den Bedürftigen. Den Christen anderer Konfessionen begegnete er mit großer Liebe und Feinfühligkeit; Johannes Paul II. nannte ihn einen der Vorläufer der ökumenischen Bewegung. Er starb am 5. Dezember 1686 (am 25. November nach dem julianischen Kalender) in Schwerin. Kein katholischer Priester war bei ihm, deshalb bekannte er seine Sünden laut vor den Anwesenden. Sein Leichnam wurde zunächst in einer lutherischen Kirche in Schwerin beigesetzt und später nach Florenz gebracht, wo er in der Basilika San Lorenzo ruht.

Johannes Paul II. sprach Niels Stensen am 23. Oktober 1988 im Petersdom selig. Er sagte damals, dessen ganzes Leben sei eine unermüdliche Suche nach der Wahrheit gewesen, der wissenschaftlichen wie der religiösen. Stensen selbst schrieb, schön sei, was wir sehen, schöner, was wir wissen, am schönsten aber, was wir nicht zu fassen vermögen.