
Seliger Bernhard Lichtenberg
Priester · 1875-1943
Priester und Märtyrer, Dompropst in Berlin, Verteidiger der Juden
Der selige Bernhard Lichtenberg war ein deutscher Priester, Pfarrer der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin und Propst ihres Domkapitels. In den Jahren des Nationalsozialismus betete er öffentlich für die verfolgten Juden. Dafür wurde er inhaftiert und starb auf dem Weg in das Konzentrationslager Dachau. Die Kirche gedenkt seiner am 5. November.
Er wurde am 3. Dezember 1875 in Ohlau in Schlesien, dem heutigen Oława in Polen, als zweites von fünf Kindern des Kaufmanns August Lichtenberg geboren. Nach dem Abitur studierte er Theologie in Innsbruck und Breslau, und am 21. Juni 1899 empfing er im Breslauer Dom die Priesterweihe.
Nach einem Jahr wurde er nach Berlin gesandt und blieb dort bis an sein Lebensende. Er wirkte in mehreren Pfarreien der wachsenden Hauptstadt, und 1913 übernahm er die Herz-Jesu-Pfarrei in Charlottenburg. Nach der Errichtung des Bistums Berlin wurde er Domkapitular, 1932 Dompfarrer an St. Hedwig und 1938 Dompropst.
Der nationalsozialistischen Ideologie widersetzte er sich von Anfang an. Als er 1935 von den Misshandlungen der Häftlinge im Konzentrationslager Esterwegen erfuhr, reichte er in der Kanzlei Hermann Görings eine Beschwerde ein. Seit 1938 leitete er das beim Bischöflichen Ordinariat eingerichtete Hilfswerk für Katholiken jüdischer Herkunft. Im August 1941 protestierte er in einem Brief an den Reichsärzteführer gegen die Tötung psychisch kranker und behinderter Menschen.
Nach dem Pogrom gegen die Juden im November 1938 sagte er in der Kathedrale: „Draußen brennt der Tempel. Das ist auch ein Gotteshaus.“ Von da an betete er jeden Abend öffentlich für die Juden und für die Christen jüdischer Herkunft, mit der Zeit auch für die Häftlinge in den Konzentrationslagern. Von zwei Frauen denunziert, wurde er am 23. Oktober 1941 von der Gestapo verhaftet. Bei ihm fand man eine vorbereitete Kanzelvermeldung, in der er die Gläubigen gegen ein judenfeindliches Flugblatt an das Gebot der Nächstenliebe erinnerte. Im Verhör erklärte er, dass er auch im Juden seinen Nächsten erkenne, und bat darum, die Deportierten als Seelsorger begleiten zu dürfen.
Am 22. Mai 1942 verurteilte ihn ein Sondergericht in Berlin zu zwei Jahren Gefängnis. Die Strafe verbüßte er schwer krank im Gefängnis Tegel. Dort überbrachte ihm Bischof Konrad von Preysing Worte des Mitgefühls und der Anerkennung von Papst Pius XII. Nach Verbüßung der Strafe kam er nicht frei: Die Gestapo übernahm ihn und wies ihn in das Lager Dachau ein. Auf dem Transport verschlechterte sich sein Zustand so sehr, dass er in das Städtische Krankenhaus in Hof in Bayern gebracht wurde. Dort starb er am 5. November 1943.
Er wurde in Berlin beigesetzt, und sein Grab befindet sich heute in der Krypta der St.-Hedwigs-Kathedrale. Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 23. Juni 1996 im Berliner Olympiastadion als Märtyrer selig, zusammen mit dem Priester Karl Leisner. Im Jahr 2004 verlieh ihm die Gedenkstätte Yad Vashem den Titel eines Gerechten unter den Völkern.