Selige Victoire Rasoamanarivo
Laie · 1848-1894
Laiin, Witwe, Verteidigerin der Kirche auf Madagaskar
Die selige Victoire Rasoamanarivo war eine madagassische Laiin aus dem Umfeld des Königshofs in Antananarivo, Ehefrau und später Witwe. Als 1883 die Missionare aus Madagaskar ausgewiesen wurden, hielt sie drei Jahre lang das Leben der Katholiken dort aufrecht und verteidigte die Kirche vor den Behörden. Die Kirche gedenkt ihrer am 21. August.
Sie wurde 1848 in Antananarivo in einer der mächtigsten Familien der Insel geboren und wuchs im traditionellen Glauben ihrer Vorfahren auf. 1861 kamen französische Jesuiten in die Hauptstadt, und die Schwestern vom heiligen Joseph von Cluny eröffneten die erste katholische Mädchenschule, die sie zu besuchen begann. Am 1. November 1863 empfing sie mit fünfzehn Jahren die Taufe und den Namen Victoire. Ihre Familie versuchte, sie vom Katholizismus abzubringen, schickte sie auf eine protestantische Schule und drohte, sie zu enterben, doch sie blieb treu.
1864 verheiratete die Familie sie mit einem Cousin, einem hohen Offizier, dem Sohn ihres Onkels Rainilaiarivony, des Premierministers des Königreichs. Ihr Mann trank, war oft gewalttätig und führte ein ausschweifendes Leben. Ihre Angehörigen drängten sie zur Scheidung, doch sie lehnte ab, überzeugt, dass eine vor Gott geschlossene Ehe unauflöslich ist. Mehr als zwanzig Jahre lang betete sie für seine Bekehrung. Sie hatten keine Kinder. Als er 1888 im Sterben lag, bat er sie um Vergebung und empfing die Taufe, die sie ihm selbst spendete.
Ihre Pflichten als Hofdame verband sie mit eifrigem Gebet. Jeden Tag ging sie bei Tagesanbruch zur Messe. Sie besuchte Arme, Kranke und Gefangene und teilte mit ihnen, was sie besaß. Sie gehörte der Vereinigung der Marienkinder an.
1883, während des Krieges mit Frankreich, wiesen die Behörden die französischen Missionare aus, und die Katholiken wurden des Verrats beschuldigt. Vor ihrer Abreise vertrauten die Priester Victoire die Sorge für die Kirche an. Sie unterstützte und schützte die Katholische Union, eine Vereinigung von Laien, die in Abwesenheit der Priester das Leben der Gemeinde aufrechterhielt. Am Hof verteidigte sie die Kirche vor den Beamten, und als die Kirchen geschlossen wurden, erreichte sie ihre Wiedereröffnung. Zusammen mit Bruder Rafiringa von den Brüdern der christlichen Schulen sorgte sie dafür, dass sich die Gläubigen in der Hauptstadt und den umliegenden Dörfern zum gemeinsamen Gebet versammelten und die Katechumenen sich weiter auf die Taufe vorbereiteten.
Nach der Rückkehr der Missionare 1886 nahm sie wieder ihren bescheidenen Platz in der Pfarrei ein und widmete sich Werken der Nächstenliebe, besonders für Aussätzige und Gefangene. Ab 1890 ließ ihre Gesundheit nach. Sie starb am 21. August 1894 in Antananarivo im Alter von sechsundvierzig Jahren. Ihr Grab befindet sich in einer Kapelle vor der Kathedrale von Andohalo.
Johannes Paul II. sprach sie am 30. April 1989 in Antananarivo während seiner Reise nach Madagaskar selig. Sie war die erste Selige des Landes. Der Papst stellte sie als Vorbild der Treue zum Sakrament der Ehe und des Einsatzes der Laien im Leben der Kirche heraus. Am 7. September 2019 betete Papst Franziskus an ihrem Grab.