Selige Pierina Morosini

Laie · 1931-1957

Jungfrau und Märtyrin, Weberin bei Bergamo, Mitglied der Katholischen Aktion

Die selige Pierina Morosini war eine junge italienische Arbeiterin aus der Umgebung von Bergamo. Sie blieb Laiin, weihte sich aber durch ein privates Gelübde Gott. Mit sechsundzwanzig Jahren wurde sie tödlich verletzt, als sie sich auf dem Heimweg von der Fabrik gegen einen Angreifer wehrte. Die Kirche verehrt sie als Jungfrau und Märtyrin und gedenkt ihrer am 6. April, ihrem Todestag.

Sie wurde am 7. Januar 1931 in Fiobbio, einem Dorf in der Gemeinde Albino, als ältestes von neun Kindern geboren. Die Familie war arm und tief gläubig; den Glauben lehrte die Kinder vor allem die Mutter. Pierina begann früh, ihr im Haushalt zu helfen, und war für die jüngeren Geschwister wie eine zweite Mutter.

Im März 1946, mit fünfzehn Jahren, begann sie in der Baumwollfabrik Honegger in Albino zu arbeiten, wo sie mit der Zeit an den Webstühlen stand. Sie arbeitete in Schichten und legte jeden Tag mehrere Kilometer zu Fuß zurück, und ihren Tag begann sie frühmorgens mit der heiligen Messe und der Kommunion. Ihre Arbeitskolleginnen erinnerten sich an ihre Gewissenhaftigkeit, ihre Freundlichkeit und ihre Zurückhaltung. Auf dem Weg zur Arbeit und zurück grüßte sie die Leute im örtlichen Dialekt: „Stì bé!“, das heißt „Lasst es euch gut gehen!“.

Sie wünschte sich, in eine Ordensgemeinschaft einzutreten und Missionarin zu werden. Als sie begriff, dass ihre Familie ohne ihren Lohn nicht auskommen würde, stellte sie diesen Wunsch zurück und beklagte sich nie darüber. Sie entdeckte, wie Johannes Paul II. später sagte, dass sie „auch heilig werden konnte, ohne ins Kloster zu gehen“. Mit sechzehn Jahren legte sie das private Gelübde der Keuschheit ab, später auch die der Armut und des Gehorsams. Seit 1942 gehörte sie der Katholischen Aktion an; in der Pfarrei leitete sie die jüngsten Mädchen und gab Katechismusunterricht. Sie war auch franziskanische Terziarin.

1947 pilgerte sie nach Rom zur Seligsprechung von Maria Goretti, die von da an ihr Vorbild war. Ihren Angehörigen sagte sie, sie würde sich lieber töten lassen als sündigen.

Am 4. April 1957 empfing sie wie jeden Tag am Morgen die heilige Kommunion und ging zur Arbeit. Am frühen Nachmittag, als sie nach Hause ging, sprach sie im Wald ein junger Mann an. Sie wies sein Ansinnen zurück und versuchte, ihm ins Gewissen zu reden. Als er sie überfiel, wehrte sie sich mit allen Kräften, bis er sie mehrmals mit einem Stein auf den Hinterkopf schlug. Ihr Bruder fand sie bewusstlos auf dem Pfad. Der Pfarrer spendete ihr die Krankensalbung, dann wurde sie ins Krankenhaus nach Bergamo gebracht. Dort starb sie am 6. April, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Sofort sprach man von einem Martyrium und verglich Pierina mit Maria Goretti. 1980 eröffnete der Bischof von Bergamo, Giulio Oggioni, ihren Seligsprechungsprozess. Johannes Paul II. bestätigte ihr Martyrium mit dem Dekret vom 3. Juli 1987 und sprach sie am 4. Oktober im Petersdom zusammen mit Antonia Mesina und Marcel Callo selig, während der Bischofssynode über die Laien. Dabei sagte er: „Alle drei sind Laien, sie sind jung, sie sind Märtyrer.“ Die Reliquien der Seligen ruhen in der Pfarrkirche von Fiobbio.