
Selige Osanna von Mantua
Laie · 1449-1505
Jungfrau, Laiin aus Mantua, Dominikaner-Terziarin, Mystikerin
Die selige Osanna von Mantua, eigentlich Osanna Andreasi, war eine Dominikaner-Terziarin im Laienstand, die ihr ganzes Leben im Elternhaus verbrachte. Sie verband Gebet und mystisches Leben mit der Sorge für ihre Familie, der Hilfe für die Armen und dem Rat, den sie dem Hof der Gonzaga gab. Die Kirche gedenkt ihrer am 18. Juni, ihrem Todestag.
Sie wurde am 17. Januar 1449 in der adligen Familie Andreasi geboren. Als Geburtsort nennen die Quellen Mantua oder das nahe gelegene Carbonarola am Po. Nach ihren Biographen hatte sie schon als kleines Kind am Ufer des Po eine Vision, in der ihr ein Engel das Paradies zeigte. Von da an widmete sie dem Gebet viel Zeit.
Mit fünfzehn Jahren legte sie das Gewand der Dominikaner-Terziarinnen an, die man Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus nannte, obwohl ihr Vater sich dagegen stellte, weil er sie lieber verheiratet hätte. Das Gewand trug sie bis zu ihrem Tod, doch ihre Profess legte sie erst 1501 ab, siebenunddreißig Jahre später. Die Gründe für diesen Aufschub sind nicht klar. Früh verlor sie die Eltern; sie blieb im Haus und sorgte für ihre Geschwister und später auch für deren Familien.
Sie führte ein tiefes Gebetsleben. Nach ihren Biographen erlebte sie mit achtzehn Jahren die mystische Vermählung mit Christus, und seit 1477 trug sie die Stigmata, die keine offenen Wunden bildeten, ihr aber große Schmerzen bereiteten. Viele Jahre verband sie eine geistliche Freundschaft mit dem Olivetanermönch Girolamo Scolari, der ihre Worte aufzeichnete und ihre Briefe aufbewahrte.
Die Gonzaga, die Herren von Mantua, schenkten ihr großes Vertrauen. 1478 vertraute Markgraf Federico I., als er in den Krieg zog, seine Frau und seine Kinder ihrer Obhut an. Sein Sohn Francesco II. und dessen Frau Isabella d'Este wählten sie zu ihrer geistlichen Begleiterin und Beraterin, auch in Staatsangelegenheiten. Viele ihrer Briefe sind erhalten, ein großer Teil davon an die Gonzaga gerichtet. Dabei hörte Osanna nie auf, den Armen und Verlassenen zu helfen.
Sie starb am 18. Juni 1505 in Mantua. An ihrem Begräbnis nahmen Markgraf Francesco und Isabella d'Este teil. Sie wurde in der Kirche San Domenico beigesetzt; heute ruht ihr Leib im Dom von Mantua. Noch in ihrem Todesjahr veröffentlichte der Dominikaner Francesco Silvestri in Mailand ihre lateinische Lebensbeschreibung, und 1507 gab Girolamo Scolari ein italienisches Buch über ihr Leben und Sterben heraus, zusammen mit ihren Briefen und Aufzeichnungen ihrer geistlichen Gespräche.
Schon am 8. Januar 1515 erlaubte Papst Leo X. der Stadt Mantua, ihr zu Ehren Messe und Offizium als Selige zu feiern. 1694 bestätigte Innozenz XII. ihre Verehrung, und im folgenden Jahr wurde diese auf den ganzen Dominikanerorden ausgedehnt. Das Römische Martyrologium gedenkt ihrer als Jungfrau, die im Gewand der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus die Betrachtung der göttlichen Dinge mit weltlichen Beschäftigungen und guten Werken verband.