Selige Natalia Tułasiewicz

Laie · 1906-1945

Märtyrin, Lehrerin aus Posen, Apostelin der Zwangsarbeiterinnen

Die selige Natalia Tułasiewicz war Polnischlehrerin aus Posen und Laienapostelin. Im Zweiten Weltkrieg ging sie freiwillig nach Deutschland, um den zur Zwangsarbeit verschleppten Polinnen Glauben und Zuversicht zu bringen. Sie starb im Konzentrationslager Ravensbrück. Das Römische Martyrologium gedenkt ihrer am 31. März.

Sie wurde am 9. April 1906 in Rzeszów geboren, in der kinderreichen Familie des Finanzbeamten Adam Tułasiewicz und seiner Frau Natalia. Von Kindheit an litt sie an Tuberkulose. Sie ging in Kęty und in Krakau zur Schule, und 1921 zog die Familie nach Posen. Dort schloss Natalia das Gymnasium der Ursulinen ab, wo sie der Marianischen Kongregation angehörte, und danach das Studium der Polonistik an der Universität Posen.

Sie unterrichtete an Posener Schulen: zuerst an der privaten Volksschule St. Kasimir, dann am Gymnasium der Ursulinen. Sie schrieb Gedichte und führte ein Tagebuch. Darin hielt sie fest, ihre Sendung sei es, der Welt zu zeigen, dass der Weg zur Heiligkeit auch über laute Märkte und Straßen führt und nicht nur durch Klöster und stille Familien.

Im Herbst 1939 siedelten die Deutschen die Familie Tułasiewicz aus Posen ins Generalgouvernement aus. Die Familie kam nach Ostrowiec Świętokrzyski, und im Februar 1940 zog Natalia nach Krakau, wo sie im geheimen Unterricht tätig war. 1943 meldete sie sich als Abgesandte des polnischen Untergrunds freiwillig zur Ausreise nach Deutschland. Sie wollte bei ihren zur Arbeit verschleppten Landsleuten sein und in ihnen den Glauben und die Liebe zur Heimat stärken.

Im August 1943 fuhr sie von Warschau nach Hannover, in die Pelikan-Fabrik der Firma Günther Wagner. Nach der schweren körperlichen Arbeit leitete sie unter den Arbeiterinnen Gebete und Katechesen, unterrichtete sie und schrieb für sie sogar ein Krippenspiel. Am 29. April 1944 wurde sie nach dem Besuch eines unvorsichtigen Kuriers aus Polen verhaftet. Sie wurde in Hannover und in Köln gefangen gehalten und bei den Verhören geschlagen. Im September 1944 wurde sie mit einem Todesurteil nach Ravensbrück gebracht.

Im Lager unterrichtete sie, von Krankheit und Hunger entkräftet, ihre jungen Mitgefangenen und leitete das gemeinsame Gebet. Noch in der Karwoche 1945 sprach sie mit letzter Kraft zu ihnen über das Leiden und die Auferstehung Christi. Am Karfreitag, dem 30. März, wurde sie bei einer Selektion aus der Gruppe ihrer Gefährtinnen herausgeholt und am Abend mit einer Gruppe von Kranken fortgebracht. Sie starb in der Gaskammer. Das Dekret über das Martyrium und das Römische Martyrologium nennen als ihren Todestag den 31. März, den Karsamstag; nach einigen Zeugnissen geschah es noch am Karfreitag.

Papst Johannes Paul II. sprach sie am 13. Juni 1999 in Warschau in der Gruppe der 108 Märtyrer des Zweiten Weltkriegs selig, deren gemeinsamen Gedenktag er auf den 12. Juni legte. Natalia ist eine der beiden Laiinnen in dieser Gruppe. Ihre Tagebücher und ihre Briefe aus Hannover haben den Krieg überstanden und sind im Druck erschienen. 2022 erklärte der Heilige Stuhl sie zur Patronin der Lehrer in Polen.