Selige Johanna von Portugal

Jungfrau · 1452-1490

Jungfrau, portugiesische Prinzessin, Helferin der Armen, Patronin von Aveiro

Die selige Johanna von Portugal war eine Prinzessin, die Tochter des portugiesischen Königs Alfons V. Sie lehnte Heiratsangebote von Herrschern ab und verbrachte die zweite Hälfte ihres Lebens im Kloster der Dominikanerinnen in Aveiro. Die Kirche gedenkt ihrer am 12. Mai, ihrem Todestag.

Sie wurde am 6. Februar 1452 in Lissabon als Tochter von Alfons V. und Königin Isabel geboren. Bis zur Geburt ihres Bruders Johann, des späteren Königs Johann II., galt sie als Thronerbin, und auch danach blieb sie der Thronfolge nahe. Ihre Heirat war daher für den Hof eine politische Frage, und mehrere Herrscher und Fürsten warben um ihre Hand. Von Jugend an wünschte Johanna jedoch, allein Christus zu gehören.

1471 zogen Vater und Bruder nach Nordafrika und eroberten Arzila und Tanger. Der Überlieferung nach führte Johanna damals an ihrer Stelle die Regierung des Königreichs, auch wenn die königlichen Chroniken berichten, dass der Herzog von Bragança Regent war. Nach der Rückkehr des Vaters bat sie ihn, sich Gott weihen zu dürfen. Ende dieses Jahres zog sie in das Kloster der Zisterzienserinnen in Odivelas bei Lissabon, und 1472 wechselte sie in das Dominikanerinnenkloster Jesus in Aveiro. Ihre Entscheidung stieß auf den Widerstand des Hofes und der Vertreter der Städte, die um die Thronfolge fürchteten.

1475 empfing sie das Ordenskleid der Dominikanerinnen. Bald darauf erkrankte sie schwer, und die Krankheit sowie die Staatsräson hinderten sie daran, die Ordensprofess abzulegen. Papst Innozenz XII. nannte sie später eine Nonne des Ordens des heiligen Dominikus, die keine Profess abgelegt hatte. Dennoch teilte sie den Alltag der Schwestern und lebte in Demut und strenger Buße. Bisweilen musste sie das Kloster für eine Zeit verlassen, kehrte aber immer dorthin zurück. Sie vergaß die Bedürftigen nicht, und das Römische Martyrologium gedenkt ihrer als Zuflucht der Armen, Waisen und Witwen.

Sie starb am 12. Mai 1490 in Aveiro im Alter von 38 Jahren und wurde im Kloster Jesus beigesetzt. Seit Jahrhunderten pilgern Gläubige zu ihrem Grab, besonders an ihrem Todestag, und bitten um ihre Fürsprache. Im ehemaligen Kloster befindet sich heute das Museum von Aveiro.

Auf Bitten König Peters II. von Portugal bestätigte Papst Innozenz XII. am 4. April 1693 die ihr seit unvordenklicher Zeit erwiesene Verehrung, was einer Seligsprechung gleichkommt. Bald darauf gestattete er auch, in ganz Portugal und im ganzen Dominikanerorden ihr Offizium zu beten und die Messe zu ihren Ehren zu feiern. Am 5. Januar 1965 bestätigte Paul VI. sie als Hauptpatronin der Stadt und des Bistums Aveiro. Die Portugiesen nennen sie „Santa Joana Princesa“, heilige Prinzessin Johanna, obwohl sie nicht heiliggesprochen wurde. 2023 gehörte sie zu den Patronen des Weltjugendtags in Lissabon.