Selige Dorothea von Montau

Laie · 1347-1394

Witwe, Mystikerin, Klausnerin am Dom zu Marienwerder

Die selige Dorothea von Montau war die Frau eines Danziger Handwerkers und Mutter von neun Kindern; als Witwe lebte sie in einer Zelle am Dom zu Marienwerder (Kwidzyn), ganz dem unablässigen Gebet und der Buße hingegeben. Das Römische Martyrologium gedenkt ihrer am 25. Juni, ihrem Todestag.

Sie wurde 1347 in Groß Montau (Mątowy Wielkie) im Weichseldelta geboren, als Tochter von Wilhelm und Agathe Swartz, wohlhabenden Bauern. Nach den alten Lebensbeschreibungen übte sie schon als Kind im Verborgenen strenge Bußübungen. Im August 1363 heiratete sie mit sechzehn Jahren auf Rat ihrer Eltern den viel älteren Danziger Adalbert, einen wohlhabenden Waffenschmied, einen guten Christen, aber einen Mann von schwierigem Charakter. Sie lebten in Danzig.

Sie brachte neun Kinder zur Welt. Acht starben im Kindesalter, und die einzige Überlebende, ihre Tochter Gertrud, trat bei den Benediktinerinnen in Kulm (Chełmno) ein. Dorothea führte gewissenhaft ihren Haushalt und strebte zugleich nach christlicher Vollkommenheit. Mit einunddreißig Jahren erlebte sie die ersten Ekstasen. Ihr Mann machte ihr deswegen anfangs Vorwürfe, doch ab 1380 lebten sie mit seiner Zustimmung enthaltsam und pilgerten gemeinsam zu Heiligtümern, unter anderem nach Aachen. Ihr Vorbild war die heilige Birgitta von Schweden, deren Reliquien 1374 durch Danzig gebracht wurden.

Adalbert starb im Februar 1390, während Dorothea auf Pilgerfahrt in Rom war. Auf Rat ihres Beichtvaters ging sie nach Marienwerder, um sich der Führung des Johannes von Marienwerder anzuvertrauen, eines geschätzten Theologen und früheren Professors in Prag, und ließ sich 1391 dort nieder. Mit seiner Zustimmung schloss sie sich 1393 in eine kleine Zelle am Dom ein, um dort bis an ihr Lebensende zu bleiben. Sie empfing täglich die heilige Kommunion, was damals außergewöhnlich war. Viele kamen zu ihr, um Rat zu suchen und sich ihrem Gebet zu empfehlen.

Sie starb am 25. Juni 1394 in Marienwerder, kaum ein Jahr nachdem sie sich in die Zelle eingeschlossen hatte. Ihre Totenfeiern dauerten unter großer Beteiligung des Volkes einen Monat, und ihr Leichnam wurde in der Krypta des Doms beigesetzt. Johannes von Marienwerder schrieb ihre Lebensbeschreibungen und Offenbarungen in lateinischer Sprache nieder, unter anderem im Werk Septililium. Ihre Spiritualität wird mit der der heiligen Birgitta und der heiligen Katharina von Siena verglichen.

Schon 1395 wurde der Heilige Stuhl um ihre Heiligsprechung gebeten. 1404 ließ Bonifatius IX. einen Prozess durchführen, der 1406 abgeschlossen wurde, doch die Sache geriet ins Stocken, und als 1525 ihre wichtigsten Förderer und die Herren des Landes zum Protestantismus übertraten, wurde sie abgebrochen. Den öffentlichen Kult stellte 1637 der Bischof von Kulm, Jan Lipski, wieder her. Am 9. Januar 1976 bestätigte Papst Paul VI. die ihr seit unvordenklicher Zeit erwiesene Verehrung, was einer Seligsprechung gleichkommt. Sie wird als Patronin Preußens verehrt.