Selige Angela Salawa
Laie · 1881-1922
Jungfrau, Dienstmädchen in Krakau, Franziskaner-Terziarin, Mystikerin
Die selige Angela Salawa war Dienstmädchen in Krakauer Haushalten, Franziskaner-Terziarin und Mystikerin. Sie blieb Laiin; zur Heiligkeit gelangte sie durch gewöhnliche, schwere Arbeit, durch Gebet und Leiden. Das Römische Martyrologium gedenkt ihrer am 12. März, ihrem Todestag, während ihr Gedenktag in Polen auf den 9. September fällt.
Sie wurde am 9. September 1881 in Siepraw bei Krakau geboren, als elftes der zwölf Kinder des Dorfschmieds Bartłomiej Salawa; ihre Mutter war Ewa, geborene Bochenek. Den Glauben lernte sie von ihrer Mutter, die den Kindern aus religiösen Büchern vorlas. Angela besuchte nur zwei Schulklassen und half trotz schwacher Gesundheit von Kindheit an auf dem Hof mit.
Im Herbst 1897 ging sie mit sechzehn Jahren nach Krakau und wurde nach dem Beispiel ihrer älteren Schwester Teresa Dienstmädchen. Anfangs freute sie sich am verdienten Geld und an schönen Kleidern. Zum Wendepunkt wurde der Tod Teresas im Jahr 1899. Angela begann, mehr zu beten, empfing häufiger die Sakramente und legte mit Zustimmung ihres Beichtvaters ein privates Gelübde der Keuschheit ab. Im Jahr 1900 trat sie dem Verein der heiligen Zita bei, der Dienstmädchen Hilfe leistete.
Sie diente in mehreren Häusern, viele Jahre lang bei dem Krakauer Rechtsanwalt Fischer. Sie sagte: „Ich liebe meinen Dienst, denn in ihm habe ich eine vorzügliche Gelegenheit, viel zu leiden, viel zu arbeiten und viel zu beten, und darüber hinaus suche und wünsche ich nichts auf der Welt.“ Ihre freie Zeit widmete sie dem Gebet und ihren jüngeren Gefährtinnen: Sie versammelte sie bei sich, unterwies sie, beriet sie und teilte mit den Ärmeren, was sie hatte. Am 15. Mai 1912 empfing sie bei den Krakauer Franziskanern das Ordenskleid der Terziarin und legte später die Profess im Dritten Orden des heiligen Franziskus ab. Während des Ersten Weltkriegs verbrachte sie ihre freien Stunden in den Krakauer Krankenhäusern bei verwundeten Soldaten und unterstützte Kriegsgefangene.
1916 verlor sie ihre Stelle, und die fortschreitende Krankheit erlaubte es ihr nicht mehr, wieder in Dienst zu gehen. Von 1917 an, in den letzten fünf Jahren ihres Lebens, lebte sie im Elend in einer engen gemieteten Kammer, unterstützt vom Verein der heiligen Zita und von früheren Gefährtinnen. Ihr Leiden opferte sie Gott als Sühne für die Sünden der Welt auf. Auf Weisung ihres Beichtvaters schrieb sie im „Tagebuch“ ihre mystischen Erfahrungen nieder. Sie starb am 12. März 1922 im Krankenhaus des Vereins der heiligen Zita in Krakau.
1948 wurde ihr Seligsprechungsverfahren eröffnet, und ein Jahr später wurden ihre sterblichen Überreste in die Basilika des heiligen Franziskus in Krakau übertragen, wo sie bis heute ruhen. An ihren Reliquien betete Karol Wojtyła viele Male. Als Papst Johannes Paul II. sprach er sie am 13. August 1991 auf dem Hauptmarkt in Krakau selig. In seiner Predigt stellte er Hedwig, die Königin von Polen, und Angela, das Dienstmädchen, nebeneinander: Das Leben beider, sagte er, drücke dieselbe Wahrheit aus, dass Gott dienen herrschen heißt. Am Ende der Messe erinnerte er an ihre Worte, die sich ihm tief ins Herz eingeprägt hatten: „Herr! Ich lebe, weil du es befiehlst, ich werde sterben, wann du willst, rette mich, denn du kannst es.“