Heiliger Thomas von Villanova
Bischof · † 1555
Bischof von Valencia, Augustiner, Vater der Armen genannt
Der heilige Thomas von Villanova war ein spanischer Augustiner, Prediger und Erzbischof von Valencia. Alles, was er besaß, gab er den Bedürftigen, und deshalb nannte man ihn den Vater der Armen. Das Römische Martyrologium gedenkt seiner am 8. September, seinem Todestag.
Er wurde in Fuenllana in Kastilien geboren. Sein Geburtsjahr ist nicht sicher: Meist wird 1486 angegeben, manchmal 1488. Er wuchs in Villanueva de los Infantes auf, nach dem er benannt ist. Sein Vater war Müller, und die Eltern waren für ihre Großzügigkeit gegenüber den Armen bekannt. Er studierte an der Universität Alcalá, wo er später selbst Logik und Philosophie lehrte. Nach dem Tod seines Vaters bestimmte er sein ganzes Erbe für ein Haus für arme Mädchen in Villanueva.
1516 trat er in Salamanca bei den Augustinern ein, 1518 empfing er die Priesterweihe. Im Kloster lehrte er Theologie und predigte. Der Orden übertrug ihm ein Amt nach dem anderen: Er war Prior in Salamanca, Burgos und Valladolid sowie Provinzial von Andalusien und von Kastilien. Als Provinzial sandte er die ersten Augustiner in die Mission nach Mexiko. Kaiser Karl V. machte ihn zu seinem Prediger und Berater.
Thomas lehnte das Erzbistum Granada ab. Als ihn der Kaiser 1544 zum Erzbischof von Valencia vorschlug, nahm er erst auf Befehl seines Ordensoberen an. Einen feierlichen Einzug vermied er: Er kam zu Fuß und im schlichten Habit zur Kathedrale. Das Bistum hatte seit mehr als hundert Jahren keinen residierenden Bischof gehabt. Der neue Erzbischof besuchte alle Pfarreien, berief eine Synode ein und bemühte sich um die Erneuerung des Klerus, und 1550 gründete er das Colegio de la Presentación zur Ausbildung künftiger Priester. Er bemühte sich auch um die Evangelisierung der Morisken, also der Muslime, die die Taufe empfangen hatten, und ihrer Nachkommen.
Am bekanntesten wurde er durch seine Barmherzigkeit. Er führte ein Verzeichnis der Armen, um jedem nach seiner Not zu helfen, stattete arme Mädchen mit einer Mitgift aus, sorgte für ausgesetzte Kinder und kaufte die Bewohner von Cullera frei, die bei einem Überfall der Mauren verschleppt worden waren. Er selbst trug einen geflickten Habit, den er eigenhändig ausbesserte. Zu Lebzeiten erlaubte er nicht, dass seine Predigten gedruckt wurden; sie erschienen erst nach seinem Tod.
Als er schwer erkrankte, ließ er alles verbliebene Geld an die Armen verteilen. Sein Bett schenkte er einem armen Gefängniswärter und bat ihn nur, bis zu seinem Tod darauf liegen zu dürfen. Er starb am 8. September 1555, dem Fest Mariä Geburt, während einer Messe, die in seinem Zimmer gefeiert wurde, mit den Worten: „Herr, in deine Hände lege ich meinen Geist“. Seine Reliquien ruhen heute in der Kathedrale von Valencia.
Papst Paul V. sprach ihn 1618 selig, Alexander VII. sprach ihn am 1. November 1658 im Petersdom heilig. Seinen Namen trägt die Pfarrkirche von Castel Gandolfo, die Bernini im Auftrag Alexanders VII. entwarf. Papst Leo XIV., selbst Augustiner, erinnerte 2025 daran, dass Thomas sein Leben dem Dienst an den Armen widmete.