Heiliger Theodosius der Koinobiarch
Mönch · † 529
Abt, Gründer eines Klosters in der Judäischen Wüste, Freund des heiligen Sabas
Der heilige Theodosius, genannt der Koinobiarch, war ein Mönch aus Kappadokien, der im 5. Jahrhundert in der Judäischen Wüste, unweit von Betlehem, ein großes Kloster des gemeinsamen Lebens gründete. Er war mit dem heiligen Sabas befreundet und verteidigte mit ihm den Glauben des Konzils von Chalcedon. Die Kirche gedenkt seiner am 11. Januar.
Er wurde um 424 in Mogariassos geboren, einem Dorf in Kappadokien in der heutigen Türkei; das genaue Jahr ist nicht bekannt. In seiner Jugend diente er in der Kirche als Lektor und Kantor. Sein Leben beschrieben sein Schüler Theodor, der spätere Bischof von Petra, und Kyrill von Skythopolis. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts, unter Kaiser Markian, brach Theodosius ins Heilige Land auf. Nach Theodor besuchte er unterwegs den heiligen Symeon den Styliten.
In Jerusalem nahm ihn der Mönch Longinus auf, der beim Davidsturm wohnte. Auf dessen Rat ließ sich Theodosius bei einer Kirche der Gottesmutter nieder, die die fromme Hikelia an der Straße nach Betlehem gestiftet hatte. Als er dort Vorsteher werden sollte, zog er sich in die Wüste zurück. Er lernte bei Schülern des heiligen Euthymius und ließ sich dann in einer Höhle auf einer Anhöhe nieder, einige Meilen von der Stadt entfernt. Nach alter Überlieferung hatten in ihr die Weisen aus dem Morgenland auf dem Rückweg von Betlehem übernachtet.
Mit der Zeit kamen Schüler zu ihm. Dank der Gaben eines Beamten aus Konstantinopel baute Theodosius über der Höhle ein Gästehaus und dann ein Kloster. Daneben entstanden eigene Spitäler für Mönche, für Laien und für Arme, ein Haus für die Alten und eine Stätte der Pflege für Brüder, die den Verstand verloren hatten. Die Mönche stammten aus verschiedenen Ländern, darum beteten Griechen, Armenier und andere in getrennten Kirchen in ihren eigenen Sprachen und kamen zur Eucharistie zusammen. Beim Tod des Gründers zählte die Gemeinschaft etwa vierhundert Mönche.
Am Ende des 5. Jahrhunderts übertrug ihm Patriarch Sallustius von Jerusalem die Sorge für alle Klöster des gemeinsamen Lebens in der Kirche von Jerusalem und unterstellte die Einsiedler dem heiligen Sabas. Daher der Beiname Koinobiarch, das heißt Vorsteher der Koinobiten, der in Gemeinschaft lebenden Mönche. Die beiden Freunde verteidigten die Lehre des Konzils von Chalcedon über Christus, wahren Gott und wahren Menschen, als Kaiser Anastasios I. deren Gegner unterstützte. Im Jahr 516 bekannten sich in der Stephanusbasilika in Jerusalem Tausende von Mönchen unter ihrer Führung zum Konzil. Nach der Überlieferung verurteilte der Kaiser Theodosius zur Verbannung, aus der der Greis nach dem Tod des Herrschers im Jahr 518 zurückkehrte.
Theodosius starb am 11. Januar 529, nachdem er vor seinem Tod seinen Nachfolger Sophronius bestimmt hatte. Das Römische Martyrologium nennt ihn einen Hundertjährigen, und die Überlieferung berichtet, er sei hundertfünf Jahre alt geworden. Er wurde in der Höhle bestattet, in der er sein Einsiedlerleben begonnen hatte.
Theodosius lebte lange vor der Entstehung des Heiligsprechungsverfahrens und wird seit dem Altertum als Heiliger verehrt, auch in den Kirchen der byzantinischen Tradition. An der Stelle seines Klosters, östlich von Betlehem, steht heute das orthodoxe Kloster des heiligen Theodosius, das um die Wende zum 20. Jahrhundert wiederaufgebaut wurde.