Heiliger Gottfried von Amiens

Bischof · † 1115

Bischof von Amiens, Benediktiner, Abt von Nogent

Gottfried wurde um 1065 geboren. Der Etymologie nach bedeutet der Name des Heiligen so viel wie „Gottes Friede“ oder „Gott, der Frieden gibt“.

Er trat in den Benediktinerorden ein. Mit 25 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Bald darauf wurde er zum Abt des Konvents von Nogent-sous-Coucy berufen, den er sowohl in materieller als auch in geistlicher Hinsicht aus dem Niedergang emporhob, wobei er die Zahl der Brüder vermehrte. Wegen seiner Begabung und seiner guten Herkunft bot man ihm die Abtei Saint-Remi und anschließend das Erzbistum Reims an. Er lehnte beide Würden ab und begnügte sich mit einer niedrigeren Stellung; wenn man ihn drängte, antwortete er scherzhaft: „Gott bewahre mich davor, eine arme Braut um einer reichen willen zu verlassen!“ Schließlich konnte er sich der Leitung einer Diözese jedoch nicht mehr entziehen, denn die Hierarchen ernannten ihn zum Bischof von Amiens. Er begab sich barfuß und in einem Bußgewand dorthin und nahm dort den Bischofssitz in Besitz.

Streng gegen sich selbst, gegen andere wie auch in der Ausübung seines bischöflichen Amtes, verteidigte er unbeugsam den Grundsatz des Priesterzölibats und verurteilte Trunksucht und Simonie (was sogar zu einem Mordanschlag auf ihn führte - eine Frau, die in sündhafter Verbindung mit einem Priester lebte, reichte ihm vergifteten Wein). Schon als Abt wurde er vom Volk geliebt, weil er ein Spital und ein Armenhaus gründete und leitete. Das machte ihn empfindsam für das menschliche Elend, was sich konkret darin zeigte, dass er die Rechte der Bürger und Bauern gegen die Übergriffe der Herren verteidigte. Täglich empfing er dreizehn arme Bürger und wusch ihnen die Füße.

Die unnachgiebige sittliche Haltung des heiligen Hirten brachte ihm immer mehr Feinde ein. Zudem verschärfte sich in seiner Diözese der Konflikt zwischen dem Adel und dem reichen Bürgertum, der schließlich in einen Bürgerkrieg mündete. Angesichts der Unruhen und des zügellosen Zorns der einen gegen die anderen und weil er sah, dass seine Bemühungen um Frieden vergeblich blieben, beschloss er, sich zurückzuziehen und - wie er es seit Beginn seines geistlichen Weges vorgehabt hatte - ein Leben in Abgeschiedenheit zu führen. In der Überzeugung, dass inständiges Gebet aus aufrichtigem Herzen, verbunden mit Buße, mehr bewirken kann als die größten Taten, zog er sich in eine Einsiedelei zurück, um dort für das Heil der ihm anvertrauten Seelen zu beten.

Die Synode von Beauvais befahl ihm die Rückkehr in seine Diözese. Auf dem Rückweg nach Amiens machte der heilige Gottfried in der Benediktinerabtei in Soissons Halt. Dort starb er am 8. November 1115.