Heiliger Giuseppe Cafasso
Priester · 1811-1860
Priester, Priesterausbilder in Turin, Seelsorger der Gefangenen
Der heilige Giuseppe Cafasso war ein Priester in Turin, Lehrer der Moraltheologie, Beichtvater und Ausbilder des Klerus sowie Seelsorger der Gefangenen und der zum Tode Verurteilten. Ein Vierteljahrhundert lang war er der geistliche Begleiter des heiligen Johannes Bosco. Sein Gedenktag ist der 23. Juni.
Er wurde am 15. Januar 1811 in einer Bauernfamilie in Castelnuovo d'Asti im Piemont geboren, im selben Ort wie der heilige Johannes Bosco. Er war das dritte von vier Kindern; seine jüngste Schwester Marianna wurde die Mutter des heiligen Giuseppe Allamano, des Gründers der Consolata-Missionare und der Consolata-Missionsschwestern. In Chieri besuchte er die höhere Schule und studierte zwei Jahre Philosophie. 1830 trat er in das dort untergebrachte Priesterseminar der Erzdiözese Turin ein, und im September 1833 wurde er zum Priester geweiht.
Bald nach der Weihe zog er in das kirchliche Konvikt San Francesco d'Assisi in Turin, das der Priester Luigi Guala 1817 gegründet hatte, damit junge Priester aus dem Piemont dort ihre Vorbereitung auf die Seelsorge vollenden konnten. Cafasso blieb dort bis zu seinem Tod: Ab 1836 lehrte er Moraltheologie, und mit der Zeit wurde er Rektor des Hauses. Im Geist des heiligen Alfons Maria von Liguori und des heiligen Franz von Sales lehrte er die Priester, gute Beichtväter und geistliche Begleiter zu sein, die Gottes Barmherzigkeit spürbar machen, ohne ein waches Gespür für die Sünde zu verlieren. Er selbst verbrachte täglich viele Stunden im Beichtstuhl, und Bischöfe, Priester, Ordensleute, Laien und einfache Menschen kamen zu ihm.
Zu seinen Schülern gehörte der heilige Johannes Bosco, den er von 1835 bis zu seinem eigenen Tod geistlich begleitete: zuerst als Seminaristen, dann als Priester und Gründer. Benedikt XVI. hob hervor, dass Cafasso nie versuchte, aus ihm eine Kopie seiner selbst zu machen, sondern ihm half, den Willen Gottes zu erkennen. Als man ihm eine Kandidatur für das Parlament anbot, lehnte er ab und sagte, der Herr werde ihn beim Gericht fragen, ob er ein guter Priester gewesen sei, und nicht, ob er ein guter Abgeordneter gewesen sei.
Mehr als zwanzig Jahre lang besuchte er die Gefängnisse Turins, in denen menschenunwürdige Zustände herrschten. Anfangs predigte er dort vor allen Gefangenen, mit der Zeit zog er persönliche Gespräche über das Vertrauen auf Gott, das Gebet und die Sakramente vor, vor allem über die Beichte. Besondere Sorge galt den zum Tode Verurteilten: 57 von ihnen nahm er die Beichte ab, reichte ihnen die Kommunion und begleitete sie bis zur Hinrichtungsstätte. In Turin nannte man ihn „den Heiligen des Galgens“.
Er starb am 23. Juni 1860 in Turin im Alter von 49 Jahren. Seine sterblichen Überreste ruhen in Turin im Heiligtum der Muttergottes vom Trost, der sogenannten Consolata.
Pius XI. sprach ihn am 3. Mai 1925 selig, und Pius XII. sprach ihn am 22. Juni 1947 im Petersdom heilig, zusammen mit Johannes de Brito und Bernardino Realino. 1948 erklärte ihn Pius XII. zum Patron der italienischen Gefängnisse, und im Apostolischen Schreiben Menti nostrae von 1950 stellte er ihn den Priestern als Vorbild des Beichtvaters und geistlichen Begleiters vor.