Heiliger Gerhard Sagredo

Bischof · † 1046

Bischof und Märtyrer, erster Hirte von Csanád, Erzieher des heiligen Emmerich

Der heilige Gerhard, in Ungarn Gellért genannt, war der erste Bischof von Csanád im Königreich Ungarn und Erzieher des Prinzen Emmerich, des Sohnes des heiligen Stephan. Er wurde 1046 bei einem Aufstand von Heiden getötet; das Römische Martyrologium berichtet, dass er an der Donau gesteinigt wurde. Die Kirche gedenkt seiner am 24. September.

Er stammte aus Venedig, und das ist die sicherste Nachricht über seine Jugend. Geboren wurde er gegen Ende des 10. Jahrhunderts, meist wird um 980 angegeben; 1980 wurde sein tausendster Geburtstag begangen. Der Familienname Sagredo, unter dem ihn das Martyrologium nennt, wurde ihm erst im 16. Jahrhundert beigelegt und ist historisch nicht gesichert. Nach den Legenden kam er als Kind in das Benediktinerkloster San Giorgio Maggiore in Venedig, wo er Prior und dann Abt wurde. Die Historiker halten diese Einzelheiten jedoch für unsicher.

Die Legende erzählt, er sei zu einer Pilgerfahrt ins Heilige Land aufgebrochen, unterwegs aber nach Ungarn gelangt, wo König Stephan ihn zurückhielt. Sicherer ist, dass er in den 1020er Jahren bereits im Königreich Ungarn lebte. Der König vertraute ihm die Erziehung seines Sohnes an; Johannes Paul II. nannte Gerhard unter den hervorragenden Lehrern, denen Stephan Emmerich anvertraute. Nach der Überlieferung lebte Gerhard danach einige Jahre als Einsiedler in Bakonybél.

Um 1030, nach dem Sieg des Königs über den einheimischen Machthaber Ajtony, wurde ein neues Bistum mit Sitz in Csanád errichtet, und Gerhard wurde sein erster Bischof; manche Historiker nennen ein etwas späteres Datum. Er baute die Kirche in Gebieten auf, in denen das Christentum gerade erst Wurzeln schlug. Er schrieb einen unvollendeten Kommentar zum Lobgesang der drei jungen Männer aus dem Buch Daniel, bekannt als Deliberatio. Es ist eines der ältesten in Ungarn verfassten theologischen Werke und zeugt von der umfassenden Bildung seines Verfassers.

Nach Stephans Tod im Jahr 1038 wurde das Reich von Thronkämpfen erschüttert, und 1046 brach ein Aufstand aus, in dem sich politische Konflikte mit dem Widerstand der Verteidiger des alten Glaubens verbanden. Gerhard war damals auf dem Weg zu Prinz Andreas, dem künftigen König. An der Donaufähre, wo heute Budapest liegt, überfielen die Aufständischen ihn und seine Begleiter. Nach den Legenden wurde er von dem Hügel gestürzt, der heute seinen Namen trägt: dem Gellértberg. Die Quellen nennen unterschiedliche Tage für seinen Tod.

Er wurde zunächst nahe dem Ort seines Todes bestattet, später wurde sein Leichnam nach Csanád übertragen; mit der Zeit gelangte ein Teil seiner Reliquien nach Venedig. Johannes Paul II. erinnerte daran, dass König Ladislaus im Jahr 1083 während des Pontifikats Gregors VII. in Székesfehérvár Stephan, Emmerich und Gerhard zu Heiligen erklärte. Was man über Gerhards Leben weiß, stammt vor allem aus zwei mittelalterlichen Lebensbeschreibungen: einer kürzeren, älteren und einer längeren, die erst im 14. Jahrhundert verfasst wurde und viele unsichere Einzelheiten enthält.