Heiliger Charbel Makhlouf

Priester · 1828-1898

Priester, maronitischer Mönch, Einsiedler

Der heilige Charbel (Youssef Makhlouf) wurde am 8. Mai 1828 im Libanon geboren. Nach seinem Eintritt in den Libanesischen Maronitischen Orden nahm er den Namen Charbel an. Zum Priester geweiht und von dem Wunsch erfüllt, in strenger Einsamkeit zu leben und eine höhere Vollkommenheit zu erreichen, verließ er das Kloster in Annaya und ging in die Einsiedelei, wo er Gott durch ein außergewöhnlich strenges Leben, unablässiges Fasten und Gebet diente.

Er zeichnete sich durch Askese, Arbeit und Gehorsam aus. Sein Tag war von Gebet, Buße und Arbeit erfüllt. Gegenüber materiellen Gütern und dem eigenen Willen war er völlig gleichgültig. Er verzichtete auf Geld. Gewöhnlich fastete er und schlief wenig. Er sprach nur, wenn man ihn fragte, und antwortete mit leiser Stimme. Bald bemerkte man, dass er zu einem Leben in Abgeschiedenheit berufen war. Er war sanft, heiter, stets freundlich und ins Gebet versunken. Stets trug er die Kapuze tief über die Augen gezogen. Seine Zelle war völlig leer und maß nur 6 Quadratmeter. Eine Lampe und ein Krug waren die einzige Einrichtung. Als Bett diente ihm eine mit Eichenlaub gefüllte Matratze, die mit einem Ziegenfell bedeckt war. Oft legte er sich auf den nackten Boden. In einem Weidenkorb lagen die Bibel, die Nachfolge Christi, das Leben des heiligen Antonius des Einsiedlers und andere Texte der Kirchenväter sowie die Bekenntnisse des heiligen Augustinus.

Er starb am Heiligabend 1898. Am 25. Dezember, dem Weihnachtstag, wurde er in einem Gemeinschaftsgrab an der Außenmauer des Klosters beigesetzt, außerhalb der Klausur. In der ersten Nacht nach der Beerdigung bemerkte man über der Grabstätte ein geheimnisvolles Licht, das im ganzen Tal zu sehen war, elektrischem Licht ähnlich, und das vom Tag der Beerdigung an 45 Nächte lang leuchtete. Es erhellte die Kuppel und die Mauer des Klosters stärker als das Tageslicht. Das löste große Aufregung aus. Tausende Christen und Muslime kamen zum Grab, um diese Erscheinung zu beobachten. Einigen gelang es sogar, das Grab zu öffnen und ein Stück der Kleidung oder ein paar Haare aus dem Bart des Eremiten mitzunehmen. Aus Sicherheitsgründen ordnete der maronitische Patriarch an, den Leichnam ins Kloster zu überführen. Daraufhin erschien das Licht nicht mehr.

Das Grab von Pater Charbel wurde in Anwesenheit eines Arztes und weiterer Zeugen geöffnet. Darin stand schlammiges Wasser, doch der Leichnam des Heiligen war unversehrt geblieben. Der Leib von Pater Charbel verströmte einen wunderbaren Duft und sonderte eine Flüssigkeit unbekannter Herkunft ab (eine Art Serum mit Blut). Er wurde gewaschen, in neue Gewänder gekleidet und in einen Sarg gelegt, der in einem für die Gläubigen unzugänglichen Raum verwahrt wurde. Alle zwei Wochen mussten die Mönche die Gewänder wegen der ständig austretenden Flüssigkeit wechseln. Seit dieser Zeit ereigneten sich zahlreiche Heilungen auf die Fürsprache von Pater Charbel, sowohl unter Christen als auch unter Muslimen.

Papst Paul VI. sprach Charbel in den letzten Tagen des Zweiten Vatikanischen Konzils, am 5. Dezember 1965, selig. Damals sagte er: „Der Eremit aus den Bergen des Libanon wird in die Schar der Seligen aufgenommen. Er ist der erste aus dem Osten stammende Bekenner, den wir nach den derzeit in der katholischen Kirche geltenden Regeln unter die Seligen einreihen. Ein Symbol der Einheit von Ost und West! Ein Zeichen der Verbundenheit, die zwischen den Christen der ganzen Welt besteht! Sein Beispiel und seine Fürsprache sind heute notwendiger als je zuvor. (...) Gerade dieser selige Mönch aus Annaya sollte uns als Vorbild dienen, indem er uns die absolute Notwendigkeit des Gebets, der Übung verborgener Tugenden und der Selbstabtötung vor Augen führt. Denn die Kirche nutzt auch für apostolische Ziele die Stätten kontemplativen Lebens, wo mit nie erkaltendem Eifer Lobpreis und Gebet zu Gott aufsteigen.“ Derselbe Papst sprach Charbel am 9. Oktober 1977 heilig.

Zu seinem Grab finden zahlreiche Wallfahrten statt, und die Heilungen auf seine Fürsprache sind ein deutliches Zeichen des Wirkens Gottes in der heutigen Welt. Reliquien des Heiligen befinden sich unter anderem im Heiligtum des heiligen Johannes Paul II. in Łagiewniki.

Zu Lebzeiten von Pater Charbel hat ihn niemand fotografiert oder sein Porträt gemalt. Niemand außer seinen Mitbrüdern hat sein Gesicht gesehen. Am 8. Mai 1950 machten einige maronitische Missionare vor der Einsiedelei von Pater Charbel ein Gruppenfoto. Nach dem Entwickeln stellte sich heraus, dass darauf eine zusätzliche, geheimnisvolle Gestalt zu sehen war: ein Mönch mit weißem Bart und Kapuze.

Erst ältere Ordensbrüder erkannten in ihr Pater Charbel. Diese Fotografie wurde zur Vorlage für alle Porträts, auch für jene, die bei der Selig- und Heiligsprechung auf dem Petersplatz aufgehängt wurden.