Heiliger Apostel Thomas

Apostel

Apostel, genannt Didymus, der Überlieferung nach Glaubensbote Indiens

Der heilige Apostel Thomas war einer der Zwölf. Das Johannesevangelium nennt ihn Didymus, das heißt Zwilling. Die Kirche erinnert sich an ihn vor allem als an den Jünger, der nicht an die Auferstehung glaubte, bis er den Herrn selbst gesehen hatte, und ihn dann als seinen Herrn und Gott bekannte. Sein Fest wird am 3. Juli gefeiert.

Der Name Thomas kommt von einem semitischen Wort für Zwilling, und das griechische Didymus bedeutet dasselbe. Ort und Jahr seiner Geburt kennen wir nicht. Die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas nennen ihn in der Liste der Zwölf, die Apostelgeschichte unter den Aposteln, die nach der Himmelfahrt im Obergemach einmütig im Gebet verharrten.

Das Johannesevangelium zeigt ihn in einigen wichtigen Augenblicken. Als Jesus beschloss, nach Judäa zurückzukehren, zu dem verstorbenen Lazarus, obwohl man ihn dort schon hatte steinigen wollen, sagte Thomas zu den anderen Jüngern: „Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben!“ Beim Letzten Abendmahl, als Jesus vom Weg zum Vater sprach, gestand Thomas: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Als Antwort hörte er: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“

Am Abend des Auferstehungstages war Thomas nicht bei den Aposteln, als Jesus zu ihnen kam. Er glaubte ihrem Zeugnis nicht und erklärte, er müsse die Male der Nägel sehen und seine Hand in die Seite des Herrn legen. Acht Tage später kam Jesus wieder und forderte ihn auf, seine Wunden zu berühren. Da bekannte Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“, und Jesus antwortete: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Benedikt XVI. sah in dieser Geschichte einen Trost für Gläubige, die mit Zweifeln ringen.

Über sein weiteres Leben schweigt das Neue Testament. Nach der Überlieferung, die das Römische Martyrologium wiedergibt, verkündete er aus diesem Glauben heraus den Völkern Indiens das Evangelium. Benedikt XVI. erinnerte an eine alte Überlieferung, nach der Thomas zuerst Syrien und Persien evangelisierte und dann in den Westen und schließlich in den Süden Indiens gelangte. Die Christen in Kerala im Süden Indiens, Thomaschristen genannt, führen ihr geistliches Erbe auf seine Verkündigung zurück, woran Johannes Paul II. bei seiner Pilgerreise nach Indien 1986 erinnerte.

Der Überlieferung nach erlitt Thomas in Indien das Martyrium, von einer Lanze durchbohrt. Als Ort seines Martyriums gilt ein Hügel in Chennai, dem früheren Madras, der Thomasberg genannt wird, und in der dortigen Kathedralbasilika wird sein Grab verehrt; Johannes Paul II. besuchte beide Orte 1986. Sein Todesjahr lässt sich nicht bestimmen; die Überlieferung nennt das Jahr 72. Das Martyrologium Hieronymianum aus dem 5. oder 6. Jahrhundert verzeichnet zum 3. Juli die Übertragung seines Leibes nach Edessa, und auf dieses Ereignis geht das Datum des Festes zurück. Die in Edessa verehrten Reliquien kamen später nach Ortona an der Adria.

Thomas wird seit der Antike als Heiliger verehrt, ohne förmliche Heiligsprechung. Vor der nachkonziliaren Kalenderreform feierte die römische Kirche sein Fest am 21. Dezember.