Heilige Zdislava von Lemberk

Matrone · † 1252

Familienmutter, Helferin der Armen und Kranken, Wohltäterin der Dominikaner

Die heilige Zdislava von Lemberk war eine Adlige des 13. Jahrhunderts, Ehefrau und Mutter von vier Kindern. Bekannt wurde sie durch ihre Sorge für die Armen und Kranken, und gemeinsam mit ihrem Mann unterstützte sie die ersten Dominikaner in Nordböhmen. Das Römische Martyrologium gedenkt ihrer am 1. Januar; in Tschechien und in Polen wird ihr Gedenktag am 30. Mai begangen.

Sie wurde um 1220 in Křižanov in Mähren als ältestes der fünf Kinder von Přibyslav und Sibylle geboren. Der Vater gehörte zu den bedeutendsten mährischen Herren, war Beamter König Wenzels I. in Brünn (Brno) und Stifter von Klöstern. Die Mutter stammte aus Sizilien und war Hofdame der Königin Kunigunde. Von der Familie erzählt die Reimchronik des Zisterziensers Heinrich aus dem Kloster Žďár nad Sázavou, die um 1300 verfasst wurde. Im Elternhaus lernte Zdislava Frömmigkeit, Barmherzigkeit gegenüber den Bedürftigen und Großzügigkeit gegenüber der Kirche.

Mit etwa zwanzig Jahren heiratete sie Havel von Lemberk, einen Adligen, der König Wenzel I. treu ergeben war, und zog auf seine Güter in Nordböhmen, auf die Burg Lemberk bei der Stadt Jablonné v Podještědí. Sie brachte vier Kinder zur Welt: Havel, Markéta, Jaroslav und Zdislav. Papst Paul VI. nannte sie ein Vorbild ehelicher Treue und eine Stütze der häuslichen Frömmigkeit.

Sie beschränkte sich nicht auf die Sorge für das eigene Haus. Sie half den Bedrängten und diente den Armen und Kranken, die sie mit eigenen Händen pflegte, ohne auf die Gefahr der Ansteckung zu achten. Bis heute erinnert man sich an sie als Heilerin. Die Chronik des sogenannten Dalimil vom Anfang des 14. Jahrhunderts berichtet, sie habe durch Gottes Kraft fünf Tote auferweckt, vielen Blinden das Augenlicht zurückgegeben und Lahme und Aussätzige geheilt.

Gemeinsam mit ihrem Mann nahm sie sich des erst kurz zuvor gegründeten Predigerordens an. Die Eheleute stifteten für die Dominikaner Kirchen mit Klöstern in Jablonné und in Turnov. Sie selbst schloss sich als Laiin der geistlichen Bewegung an, die von den Söhnen des heiligen Dominikus ausging; deshalb nennt die Überlieferung sie eine Dominikaner-Terziarin.

Sie starb 1252 in jungen Jahren. Beigesetzt wurde sie in der Dominikanerkirche St. Laurentius in Jablonné, der heutigen Basilika St. Laurentius und St. Zdislava, und seit Jahrhunderten kommen Pilger an ihr Grab. Schon 1602 wurde sie in das Verzeichnis der heiligen Landespatrone Böhmens aufgenommen.

Die Verehrung, die ihr seit unvordenklicher Zeit zuteilwurde, bestätigte Papst Pius X. am 28. August 1907. Johannes Paul II. sprach sie am 21. Mai 1995 in Olmütz (Olomouc) zusammen mit dem heiligen Johannes Sarkander heilig. In seiner Predigt nannte er sie eine Zeugin des Evangeliums der Familie und des Evangeliums des Lebens und bat sie, die Familien ihrer Heimat und der ganzen Welt zu führen. In Tschechien wird sie als Patronin der Familien verehrt.