Heilige Waltraud

Matrone

Ehefrau und Mutter, Nonne, Gründerin des Klosters in Mons

Die heilige Waltraud, in Frankreich und Belgien als Waudru bekannt, war eine fränkische Adlige des 7. Jahrhunderts, Ehefrau und Mutter, die im reifen Alter den Schleier der Nonne nahm und auf dem Hügel Castrilocus ein Kloster gründete. Um dieses Kloster wuchs die Stadt Mons im heutigen Belgien, die sie als ihre Patronin verehrt. Das Römische Martyrologium gedenkt ihrer am 9. April.

Über sie ist nur wenig bekannt. Ihre Lebensbeschreibung verfasste ein unbekannter Mönch erst um das Jahr 850, mehr als anderthalb Jahrhunderte nach ihrem Tod. Sie berichtet nur, dass sie zur Zeit König Dagoberts zur Welt kam; ihr Geburtsjahr kennen wir nicht. Ihre Eltern waren Waldebert und Bertilla aus dem fränkischen Adel, und die Familie hatte ihren Sitz höchstwahrscheinlich in Cousolre, heute in Frankreich. Waltrauds jüngere Schwester war die heilige Aldegundis, die Gründerin des Klosters Maubeuge.

Wohl noch sehr jung wurde sie mit Madelgar verheiratet, einem Adligen aus dem Hennegau. Die Überlieferung schreibt ihnen vier Kinder zu, die als Heilige verehrt werden: Landrich, Dentelin, der als kleines Kind starb, sowie Aldetrudis und Madelberta, die späteren Äbtissinnen von Maubeuge. Auch das Römische Martyrologium nennt Waltraud Mutter von vier Heiligen, obwohl die ältesten Lebensbeschreibungen die Kinder nicht erwähnen.

Nach ihrer Lebensbeschreibung vollzog sich in Waltraud ein Wandel: Was ihr bis dahin Freude gemacht hatte, verlor für sie seinen Wert. Sie wollte für Gott leben und den Armen, Waisen, Witwen, Gefangenen und Reisenden helfen. Sie überredete ihren Mann, sich in gegenseitigem Einvernehmen zu trennen und sich dem Dienst Gottes zu weihen. Madelgar trat als Erster in das Kloster Hautmont ein und nahm den Namen Vinzenz an; später gründete er die Abtei Soignies und wird selbst als Heiliger verehrt.

Um das Jahr 656 empfing sie den Schleier aus den Händen des heiligen Autbert, des Bischofs von Cambrai, und zog in ein kleines Haus mit einer Kapelle auf dem Hügel Castrilocus. Die Lebensbeschreibung verbindet die Wahl dieses Ortes mit dem Rat eines Einsiedlers, des heiligen Gislenus. Mit der Zeit schlossen sich ihr andere Frauen an, und so entstand ein kleines Kloster, das sie leitete. Aldegundis drängte ihre Schwester, in die größere Gemeinschaft von Maubeuge überzusiedeln, doch Waltraud blieb auf ihrem Hügel. Die Lebensbeschreibung verschweigt ihre Kämpfe nicht: Versuchungen, die Sehnsucht nach dem früheren Leben und den Schmerz, den ihr üble Nachrede bereitete; sie spricht aber auch von dem Frieden, den sie nach Jahren fand.

Sie starb an einem 9. April. Das Jahr nennen die Quellen nicht; die Überlieferung gibt 686 oder 688 an. Ihre Verehrung ist seit dem 9. Jahrhundert bezeugt, und zu ihrem Grab kamen Kranke und Pilger. Als Heilige wird sie seit dem frühen Mittelalter verehrt, lange bevor sich die Heiligsprechungsverfahren herausbildeten.

Die Gemeinschaft, die sie gegründet hatte, wurde mit der Zeit zu einem Kanonissenstift, und um sie herum entwickelte sich die Stadt Mons, die Hauptstadt der Provinz Hennegau. Die Reliquien der Heiligen ruhen in der Stiftskirche, die ihren Namen trägt und seit der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut wurde. Jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag wird der Reliquienschrein auf dem Goldenen Wagen (Car d'Or) durch die Stadt gefahren. Der Brauch ist aus den Bittprozessionen zur Zeit der großen Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts hervorgegangen.