Heilige Walburga

Ordensschwester

Äbtissin von Heidenheim, Missionarin aus England, Patronin des Bistums Eichstätt

Die heilige Walburga war eine angelsächsische Nonne, die im 8. Jahrhundert aus England nach Germanien kam und als Äbtissin das Kloster Heidenheim in Franken, im heutigen Bayern, leitete. Sie war die Schwester des heiligen Willibald, des ersten Bischofs von Eichstätt, und des heiligen Wunibald, des Gründers dieses Klosters. Die Kirche gedenkt ihrer am 25. Februar.

Sie stammte aus Wessex im Süden Englands, aus einer vornehmen angelsächsischen Familie. Ihr Geburtsjahr ist nicht bekannt; genannt wird die Zeit um 710. Ihr Vater starb in Lucca, als er mit seinen Söhnen nach Rom pilgerte. Das Martyrologium gedenkt seiner als des heiligen Richard; dass er ein König gewesen sei, gehört zur späteren Legende. Walburga wurde in einem der englischen Klöster erzogen, vielleicht in Wimborne.

Ihre Brüder halfen dem heiligen Bonifatius, den germanischen Völkern das Evangelium zu verkünden. Das Römische Martyrologium berichtet, dass Walburga auf Bitten des Bonifatius und ihrer beiden Brüder aus England kam. Wann das geschah, ist nicht bekannt. Ältere Erzählungen verbinden sie mit den Nonnen, die gemeinsam mit der heiligen Lioba dem Ruf des Bonifatius folgten, und mit dem Kloster Tauberbischofsheim. Die neuere Forschung nimmt eher an, dass sie kurz vor Wunibalds Tod kam.

Wunibald starb am 18. Dezember 761. Walburga übernahm nun die Leitung der Gemeinschaft, und mit ihr zogen Nonnen nach Heidenheim. Das Kloster wurde nach dem aus England bekannten Vorbild zu einem Doppelkloster für Mönche und Nonnen unter einer gemeinsamen Leitung. Die Nonne Hugeburc, eine Verwandte der Geschwister, verfasste dort die Lebensbeschreibungen der beiden Brüder; über Wunibald berichtete ihr auch Walburga. Am 24. September 777 war Walburga dabei, als Bischof Willibald den Leib Wunibalds in die neue Kirche übertrug.

Über ihr eigenes Leben sagen die Quellen wenig. Sicher ist nur der Todestag, der 25. Februar. Die Überlieferung und mit ihr das Römische Martyrologium nennen das Jahr 779. Ein Teil der Historiker meint heute, dass Walburga den 787 verstorbenen Willibald überlebte, und die Abtei an ihrem Grab nennt das Jahr 788 oder 790. Sie wurde in der Klosterkirche von Heidenheim beigesetzt.

In den Siebzigerjahren des 9. Jahrhunderts übertrug Bischof Otgar ihre Reliquien nach Eichstätt. Eine solche Übertragung war damals, lange vor der Entstehung des päpstlichen Heiligsprechungsverfahrens, die Form, jemanden als Heiligen anzuerkennen. Im Jahr 893 erhielt das Kloster Monheim einen Teil der Reliquien, und der Priester Wolfhard von Herrieden schrieb die Wunder auf, von denen man dort erzählte. 1035 entstand am Grab Walburgas in Eichstätt eine Benediktinerinnenabtei, die bis heute besteht.

Seit dem 11. Jahrhundert ist das sogenannte Walburgisöl bekannt: Im Winter bilden sich an der Steinplatte ihres Grabes Tropfen reinen Wassers. Die Nonnen geben sie den Pilgern als Zeichen, nicht als Arznei. Walburga ist Patronin des Bistums Eichstätt. In Eichstätt wird auch ihr zweites Fest gefeiert, der 1. Mai, zum Gedenken an die Übertragung der Reliquien. Von ihm hat die sogenannte Walpurgisnacht ihren Namen, doch die volkstümlichen Vorstellungen, die sich mit dieser Nacht verbinden, haben mit dem Leben und der Verehrung der Heiligen nichts zu tun.