
Heilige Ursula Ledóchowska
Ordensschwester · 1865-1939
Jungfrau, Gründerin der Ursulinen vom Herzen Jesu im Todeskampf
Julia Ledóchowska wurde am 17. April 1865 in Loosdorf (Österreich) als zweites von sieben Kindern von Antoni Ledóchowski und Josephine Salis-Zizers geboren. Sie erhielt eine humanistische Bildung. 1886 trat sie in das Ursulinenkloster in Krakau ein. Nach dem Noviziat legte sie die Ordensgelübde ab und erhielt den Namen Schwester Maria Ursula von Jesus. Sie zeichnete sich durch Eifer im Gebet und in der Abtötung aus. Sie arbeitete als Lehrerin und Erzieherin an der Schule der Ursulinen. Außerdem nahm sie Malunterricht und schmückte die Klosterkapelle mit Wandmalereien und Bildern. 1904 wurde sie zur Oberin des Krakauer Klosters gewählt.
1907 reiste sie mit dem Segen von Papst Pius X. zusammen mit zwei Mitschwestern nach Sankt Petersburg, um die Leitung eines Mädcheninternats am polnischen Gymnasium der Pfarrei St. Katharina zu übernehmen. Schnell fand sie den Weg zu den Herzen und Köpfen ihrer Schülerinnen. Trotz zahlreicher Pflichten fand sie stets Zeit für persönliche Gespräche mit den Mädchen.
Nach Kriegsausbruch 1914 wurde Mutter Ursula als österreichische Staatsbürgerin aus Russland ausgewiesen. Sie blieb in Skandinavien. Gemeinsam mit den nach und nach aus Petersburg ausreisenden Schwestern gründete sie eine Sprachschule für skandinavische Mädchen und später unter anderem ein Heim für Waisenkinder polnischer Emigranten. Zugleich nahm sie aktiv am Leben der katholischen Diaspora in Skandinavien teil. Sie arbeitete mit dem Hilfskomitee für die Kriegsopfer zusammen, das Henryk Sienkiewicz in der Schweiz gegründet hatte. Mit Vortragsreisen weckte sie in den skandinavischen Gesellschaften Verständnis für die Sache der polnischen Unabhängigkeit. Sie lernte die skandinavischen Sprachen, um ihre Zuhörer besser zu erreichen.
1918 erlangte Polen seine Unabhängigkeit wieder. Dank der Großzügigkeit des norwegischen Konsuls B. A. Stolt-Nielsen wurde ein Gut in Pniewy erworben. Hier ließ sich die Petersburger Ursulinengemeinschaft nieder. Es entstand das erste Haus der Grauen Ursulinen, das Mutterhaus. Bald darauf erteilte der Apostolische Stuhl die Erlaubnis, die Gemeinschaft des Petersburger Klosters in die apostolische Kongregation der Ursulinen vom Herzen Jesu im Todeskampf umzuwandeln, die aus der ursulinischen Spiritualität lebt, deren Wurzeln bis zur heiligen Angela Merici reichen, sowie aus der Tradition der Erziehungsarbeit als bevorzugtem Werkzeug der Evangelisierung.
Ursula formte die Schwestern zur Liebe zu Gott über alles und wünschte, dass sie in Einfachheit lebten, demütig und zugleich voller Hingabe und schöpferisch im Dienst an anderen seien, vor allem an Kindern und Jugendlichen. Lächeln, innere Heiterkeit und Güte betrachtete sie als besonders glaubwürdiges Zeugnis der Verbundenheit mit Christus. Sie verzehrte sich in Liebe zu Jesus Christus, und diese Liebe ließ sie jeden Menschen lieben, ungeachtet seiner Konfession, Überzeugungen oder Stellung. Sie starb am 29. Mai 1939 in Rom im Ruf der Heiligkeit.
Johannes Paul II. sprach Mutter Ursula am 20. Juni 1983 selig und am 18. Mai 2003 heilig. Am 5. März 2009 fasste der Senat der Republik Polen einen Beschluss, mit dem der 70. Todestag der heiligen Ursula Ledóchowska gewürdigt und sie als Vorbild einer Patriotin anerkannt wurde.