Heilige Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan

Ordensschwester · 1876-1926

Jungfrau, Mystikerin, Gründerin der Kongregation von der Heiligen Familie

Die heilige Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan war eine Ordensfrau aus Kerala im Süden Indiens und eine Tochter der syro-malabarischen Kirche. Sie besuchte die Häuser der Armen, Kranken und Sterbenden ohne Unterschied von Kaste und Religion und gründete 1914 die Kongregation von der Heiligen Familie, die sich dem Dienst an den Familien widmet. Die Kirche gedenkt ihrer am 8. Juni.

Sie wurde am 26. April 1876 in Puthenchira in Kerala als drittes von fünf Kindern von Thoma und Thanda Chiramel Mankidiyan geboren. In der Taufe erhielt sie den Namen Thresia. Den Glauben lehrte sie ihre Mutter, die 1888 starb, als das Mädchen zwölf Jahre alt war. Mit zehn Jahren weihte sie Christus ihre Jungfräulichkeit. Sie sehnte sich nach einem Leben als Einsiedlerin, doch ihre Familie widersetzte sich, und in keine der bestehenden Gemeinschaften konnte sie eintreten, weil ihre Familie arm war.

Schon bevor sie die Kongregation gründete, ging sie zu verlassenen Menschen. Sie pflegte Kranke, auch Leprakranke und Pockenkranke, die von ihren Angehörigen oft ohne Hilfe gelassen wurden, und nach deren Tod sorgte sie für die verwaisten Kinder. Entgegen den damaligen Gepflogenheiten besuchte sie Familien in Not allein, wofür sie sogar von manchen Geistlichen kritisiert wurde. Ihr Vorbild für die Familien, die sie als Hauskirchen erneuern wollte, war die Heilige Familie von Nazaret.

Sie empfing viele mystische Gaben wie Visionen, Ekstasen und die Stigmata und durchlitt zugleich schwere Versuchungen und seelische Qualen. Von 1902 bis zu ihrem Tod war Pfarrer Joseph Vithayathil aus Puthenchira ihr geistlicher Begleiter. Der damalige Bischof von Trichur, John Menachery, schickte sie zu den Karmelitinnen-Terziarinnen in Ollur, doch bald zeigte sich, dass dies nicht ihr Weg war. Mit Hilfe von Pfarrer Vithayathil wurde 1913 eine Einsiedelei für sie und ihre Gefährtinnen gebaut, und am 14. Mai 1914 errichtete der Bischof die Kongregation von der Heiligen Familie. An diesem Tag legte sie als Erste die Gelübde ab, nahm den Namen Mariam Thresia an, der ihre Verehrung der Gottesmutter ausdrückte, und wurde die erste Oberin.

Mutter Mariam Thresia leitete die junge Kongregation mit mütterlicher Sorge, und ihre Einfachheit und Demut führten ihr viele junge Frauen zu. Indem sie Mädchen unterrichtete und erzog, legte sie Grundlagen für die Förderung der Frauen in ihrer Umgebung. Sie betete und fastete für die Sünder, besuchte sie und ermahnte sie zur Umkehr. In einem ihrer Briefe an ihren geistlichen Begleiter schrieb sie, Gott werde denen das ewige Leben schenken, die Sünder bekehren und auf den rechten Weg führen.

Sie starb am 8. Juni 1926 in Kuzhikkattussery im Alter von fünfzig Jahren. Todesursache war eine Wunde am Bein, die durch Diabetes gefährlich wurde. Sie wurde in der Kapelle des dortigen Hauses der Heiligen Familie beigesetzt. Johannes Paul II. sprach sie am 9. April 2000 in Rom selig, und Papst Franziskus sprach sie am 13. Oktober 2019 auf dem Petersplatz heilig, zusammen mit vier weiteren Seligen, darunter John Henry Newman.