Heilige Marcella von Rom

Laie · † 410

Witwe, Schülerin des heiligen Hieronymus, Wegbereiterin des Mönchtums in Rom

Die heilige Marcella war eine römische Aristokratin des 4. Jahrhunderts, eine Witwe, die ihr Haus auf dem Aventin zu einem Ort des Gebets, des Studiums der Heiligen Schrift und der Hilfe für die Armen machte. Fast alles, was wir über sie wissen, stammt aus den Briefen des heiligen Hieronymus, ihres Lehrers und Freundes. Die Kirche gedenkt ihrer am 31. Januar.

Sie stammte aus einer der vornehmsten Familien Roms. Ihr Geburtsjahr kennen wir nicht. Früh verlor sie den Vater, und ihr Mann starb nach nicht einmal sieben Monaten Ehe. Um die junge Witwe warb Cerealis, ein betagter und reicher Mann von konsularischem Rang. Marcella antwortete, wenn sie heiraten wollte, würde sie einen Ehemann suchen und kein Erbe.

Nach Hieronymus hatte vor ihr keine vornehme Römerin gewagt, das Mönchsleben zu wählen. Marcella lernte es durch Geistliche aus Alexandria kennen, unter ihnen Bischof Athanasius, die vor den Arianern in Rom Zuflucht gefunden hatten. Sie beschloss, im eigenen Haus auf ähnliche Weise zu leben: Sie trug schlichte Kleider, fastete maßvoll und betete in den Basiliken der Apostel und Märtyrer. Ihr Beispiel zog andere Frauen an, unter ihnen die heilige Paula und deren Tochter Eustochium.

Im Jahr 382 kam Hieronymus nach Rom. Marcella bemühte sich so beharrlich um eine Begegnung, dass sie seinen Widerstand überwand, und von da an befragte sie ihn bei jedem Gespräch über die Heilige Schrift. Sie gab sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden, sondern erhob Einwände, um deren Lösung kennenzulernen. Papst Franziskus erinnerte daran, dass Hieronymus, unterstützt von Marcella, Paula und Eustochium, damals auf dem Aventin einen Kreis schuf, der sich der Lektüre und dem gründlichen Studium der Schrift widmete. Erhalten sind mehr als ein Dutzend Briefe des Hieronymus an Marcella.

Im Jahr 385 verließ Hieronymus Rom und ließ sich ein Jahr später in Betlehem nieder. Marcella blieb in Rom. Fortan wandte man sich bei Streitfragen über das Verständnis der Schrift an sie, und auch Priester befragten sie. Sie lebte mit einer jüngeren Gefährtin, der Jungfrau Principia, zusammen. Als sich in der Stadt Irrlehren auszubreiten begannen, die sich auf die Schriften des Origenes beriefen, trat sie ihnen öffentlich entgegen.

Im August 410 wurde Rom von den Westgoten Alarichs erobert und geplündert. Soldaten drangen in Marcellas Haus ein und verlangten Gold. Sie glaubten nicht an ihre Armut und schlugen sie schwer. Hieronymus berichtet, dass sie sie unter Tränen nur darum bat, die junge Principia zu verschonen. Die Angreifer führten beide Frauen in die Basilika des heiligen Paulus, wo sie Zuflucht fanden. Dort dankte Marcella Gott dafür, dass der Überfall sie arm vorgefunden und nicht erst arm gemacht hatte. Bald darauf starb sie in den Armen Principias. Als ihr Todesjahr wird 410 angegeben.

Zwei Jahre später ehrte Hieronymus sie auf Bitten Principias mit einem Gedenkbrief und nannte sie den Ruhm Roms. Marcella wurde nie förmlich heiliggesprochen, denn sie lebte lange vor der Entstehung der Heiligsprechungsverfahren. Die Kirche verehrt sie als Heilige, und das Römische Martyrologium sagt von ihr, dass sie Reichtum und vornehme Herkunft verachtete und durch Armut und Demut noch edler wurde.