Heilige Gertrud von Helfta

Ordensschwester · * 1256

Jungfrau, Nonne von Helfta, Mystikerin

Die heilige Gertrud von Helfta, auch Gertrud die Große genannt, war Nonne, Mystikerin und eine der bedeutendsten geistlichen Schriftstellerinnen des Mittelalters. Vom fünften Lebensjahr bis zu ihrem Tod lebte sie im Kloster Helfta bei Eisleben in Sachsen. Die Kirche gedenkt ihrer am 16. November.

Sie wurde am 6. Januar 1256 geboren, am Hochfest der Erscheinung des Herrn. Über ihre Eltern und ihren Geburtsort ist nichts bekannt. 1261 wurde sie als fünfjähriges Kind dem Kloster Helfta zur Erziehung anvertraut. Die Nonnen lebten dort nach der Regel des heiligen Benedikt und nach zisterziensischen Bräuchen; das Römische Martyrologium nennt das Kloster zisterziensisch. Die Gemeinschaft leitete Äbtissin Gertrud von Hackeborn, und Lehrerin des Mädchens wurde die Schwester der Äbtissin, die heilige Mechthild von Hackeborn.

Gertrud war eine hervorragende Schülerin. Sie erlernte die freien Künste, und besonders zogen sie Literatur, Musik, Gesang und die Kunst der Miniaturmalerei an. Sie hatte ein starkes und impulsives Temperament. Später schrieb sie selbst, sie habe jahrelang, obwohl sie Namen und Kleid einer Nonne trug, nachlässig gelebt und sich mehr mit dem Studium als mit den Dingen Gottes beschäftigt. Im Advent 1280 ergriffen sie Unruhe und ein Gefühl der Leere. Am Abend des 27. Januar 1281, zur Stunde der Komplet, hatte sie die Vision eines jungen Mannes, der ihr die Hand reichte; in dieser Hand erkannte sie die Spuren der Wunden Christi.

Dieses Ereignis betrachtete sie als ihre Bekehrung. Sie gab die weltlichen Studien auf und wandte sich der Heiligen Schrift, den Kirchenvätern und der Theologie zu; ihre Biographin schrieb, aus der Grammatikerin sei eine Theologin geworden. Fortan lebte sie aus der Liturgie und aus einer innigen Freundschaft mit Christus. Sie erklärte die Wahrheiten des Glaubens einfach und klar, und viele Menschen suchten ihren Rat. Mehr als einmal hinderte sie Krankheit daran, am Chorgebet teilzunehmen.

Von ihren Schriften ist wenig erhalten. Die wichtigsten sind der Gesandte der göttlichen Liebe, auf Latein teils von ihr selbst, teils von ihren Mitschwestern niedergeschrieben, und die Geistlichen Übungen. Großen Raum nimmt darin das Herz Jesu ein. Papst Franziskus erinnerte in der Enzyklika Dilexit nos an ihren Bericht von einem Gebet, bei dem sie ihren Kopf auf das Herz Christi legte und seinem Schlagen lauschte. Sie fragte damals den heiligen Evangelisten Johannes, warum er in seinem Evangelium nicht darüber geschrieben habe, und sie verstand, dass diese Botschaft für eine Zeit aufbewahrt wurde, in der die Welt in der Liebe zu Gott erkalten würde.

Sie starb am 17. November 1301 oder 1302 in Helfta, im Alter von etwa sechsundvierzig Jahren; das Jahr ihres Todes lässt sich nicht genau bestimmen. Der Ort ihres Grabes ist nicht bekannt.

Gertrud wurde nie förmlich heiliggesprochen. Ihre Schriften, im 16. Jahrhundert gedruckt, verbreiteten sich in Europa und gelangten nach Amerika. Unter dem Pontifikat Innozenz' XI. wurde ihr Name in das Römische Martyrologium aufgenommen (die Quellen nennen das Jahr 1677 oder 1678), und im folgenden Jahrhundert dehnte Papst Clemens XII. ihren Gedenktag auf die ganze Kirche aus. Benedikt XVI. widmete ihr am 6. Oktober 2010 eine Katechese und erinnerte daran, dass sie als einzige Frau aus Deutschland den Beinamen „die Große“ trägt.