Heilige Germaine Cousin

Laie · † 1601

Jungfrau, Hirtin aus Pibrac bei Toulouse, Patronin der Hirten

Die heilige Germaine Cousin war eine arme Hirtin aus Pibrac, einem Dorf bei Toulouse im Süden Frankreichs. Ihr ganzes kurzes Leben lang ertrug sie Behinderung, Krankheit und Zurückweisung und teilte dennoch mit den Armen das Wenige, das sie hatte. Die Kirche gedenkt ihrer am 15. Juni.

Sie wurde in Pibrac in einer armen Familie geboren. Ihr Geburtsjahr ist nicht sicher: Angegeben wird 1579 oder 1570, und das Römische Martyrologium sagt, sie sei in ihrem zweiundzwanzigsten Lebensjahr gestorben. Sie kam mit einer verkrüppelten Hand zur Welt und litt an Skrofulose. Früh verlor sie ihre Mutter. Die Einzelheiten ihrer familiären Lage sind nicht ganz gesichert. Nach der überlieferten Darstellung heiratete ihr Vater erneut, und die Stiefmutter behandelte das Mädchen hart und hielt es von den übrigen Hausbewohnern fern, mit der Begründung, die anderen Kinder könnten sich bei ihr anstecken.

Von klein auf musste sie die Schafe hüten. Die Nächte verbrachte sie meist im Stall, auf einem ärmlichen Lager. Das Römische Martyrologium sagt, sie habe von Kindheit an ein Leben in Knechtschaft und Krankheit geführt und alle Widrigkeiten mit starkem Mut und heiterem Antlitz ertragen.

Ihr Leben kreiste um den Glauben. Wann immer sie konnte, ging sie zur Frühmesse in die Kirche und ließ ihre Herde auf der Weide in der Obhut der Vorsehung. Die Überlieferung erzählt, dass die Wölfe aus dem nahen Wald ihre Schafe nie angriffen. Beim Klang der Angelusglocke kniete sie nieder, wo immer sie gerade war. Sie sammelte die Kinder des Dorfes um sich und sprach mit ihnen über Gott. Obwohl sie selbst wenig hatte, teilte sie ihr Brot mit Bettlern und Armen.

Mit ihrer Gestalt sind Erzählungen verbunden, die von der Überlieferung weitergegeben wurden. Nach einer von ihnen teilte sich ein angeschwollener Bach vor ihr, als sie zur Kirche ging. Nach einer anderen fand man in ihrer Schürze Blumen, als man sie verdächtigte, Brot für die Armen aus dem Haus zu tragen, obwohl es nicht die Zeit der Blumen war. Die Dorfbewohner, die über ihre Frömmigkeit zunächst gespottet hatten, begannen sie mit der Zeit zu achten. Als die Hausgenossen sie schließlich unter das gemeinsame Dach aufnehmen wollten, zog sie es vor, an ihrem bescheidenen Platz zu bleiben.

Sie starb einsam am 15. Juni 1601; am Morgen fand man sie tot auf ihrem Lager. Sie wurde in der Pfarrkirche von Pibrac begraben. Als man 1644 das Grab öffnete, um einen ihrer Angehörigen darin beizusetzen, fand man Germaines Leib unversehrt. Von da an betete man an ihren sterblichen Überresten um Heilung, und viele Gläubige bezeugten empfangene Gnaden. 1793, während der Französischen Revolution, wurden ihre Überreste geschändet und mit ungelöschtem Kalk bedeckt.

Im 19. Jahrhundert wurden die Bemühungen um ihre Seligsprechung wieder aufgenommen. Papst Pius IX. sprach sie 1854 selig und am 29. Juni 1867 heilig. Sie wird als Patronin der Hirten verehrt.