Heilige Alfonsa von der Unbefleckten Empfängnis

Ordensschwester · 1910-1946

Jungfrau, Franziskaner-Klarissin, erste heiliggesprochene Frau Indiens

Die heilige Alfonsa von der Unbefleckten Empfängnis, geborene Anna Muttathupadathu, war Ordensfrau der Kongregation der Franziskaner-Klarissen im indischen Bundesstaat Kerala und gehörte der syro-malabarischen Kirche an. Fast ihr ganzes kurzes Ordensleben war von schwerer Krankheit erfüllt, die sie geduldig und mit Freude trug. Die Kirche gedenkt ihrer am 28. Juli, ihrem Todestag.

Sie wurde am 19. August 1910 in Kudamaloor in der Diözese Changanacherry in einer alten syro-malabarischen Familie geboren. Bei der Taufe erhielt sie den Namen Annakutty, eine Koseform von Anna. Ihre Mutter starb, als das Mädchen drei Monate alt war. Die ersten Jahre verbrachte sie bei den Großeltern; die Großmutter lehrte sie beten und die Armen lieben. In der Schule schloss sie auch mit hinduistischen Kindern Freundschaft. Ab 1920 wurde sie von einer Tante erzogen, einer strengen Frau, die sie vorteilhaft verheiraten wollte und ihrer Berufung nicht wohlgesinnt war.

Von Kindheit an sehnte sich Anna danach, allein Jesus zu gehören. Als sie dreizehn Jahre alt war, wurde für sie eine Ehe vereinbart. Nach einer im Gebet verbrachten Nacht setzte sie ihren Fuß in glühende Kohlen, weil sie hoffte, entstellt niemanden mehr anzuziehen. Ihr Beichtvater lenkte sie zur franziskanischen Spiritualität. 1927 wurde sie Internatsschülerin an der Schule der Franziskaner-Klarissen in Bharananganam, und am 2. August 1928 trat sie in ihre Kongregation ein. Sie nahm den Namen Alfonsa von der Unbefleckten Empfängnis an, zu Ehren des heiligen Alfons Maria von Liguori.

Ihre Ordensausbildung wurde immer wieder durch Krankheit unterbrochen. Wenn ihre Kräfte es erlaubten, unterrichtete sie Kinder in der Schule, half als Katechetin in der Pfarrei und schrieb wegen ihrer schönen Handschrift amtliche Briefe. Eine Zeit lang war sie so schwer krank, dass man um ihr Leben fürchtete. Damals wurde sie während einer Novene zum Diener Gottes Kuriakose Elias Chavara, einem Karmeliten aus Kerala, plötzlich gesund. Ihre ewigen Gelübde legte sie am 12. August 1936 ab, dem damaligen Fest der heiligen Klara.

Nach der Profess folgten weitere Krankheiten: Typhus, eine doppelseitige Lungenentzündung und 1940 ein schwerer Nervenschock, nachdem sie in der Nacht einen Dieb gesehen hatte. Etwa ein Jahr lang konnte sie danach weder lesen noch schreiben. 1945 machten ein Tumor sowie Erkrankungen von Magen und Leber das letzte Jahr ihres Lebens zu einem unablässigen Leiden. Die Mitschwestern behielten sie als heiter und herzlich in Erinnerung. Sie schrieb, der Herr habe sie dazu bestimmt, eine Opfergabe des Leidens zu sein, und bekannte: „Für mich ist ein Tag ohne Leiden ein verlorener Tag.“ Sie starb im Kloster in Bharananganam am 28. Juli 1946, noch nicht ganz sechsunddreißig Jahre alt. Ihr Grab ist zum Ziel vieler Pilger geworden.

Johannes Paul II. sprach sie am 8. Februar 1986 in Kottayam selig, zusammen mit Kuriakose Elias Chavara. Benedikt XVI. sprach sie am 12. Oktober 2008 auf dem Petersplatz in Rom heilig. In seiner Predigt stellte er sie als die erste kanonisierte Heilige Indiens vor, die überzeugt war, dass ihr Kreuz der Weg zum himmlischen Gastmahl war, das der Vater für sie bereitet hatte.